Nachruf auf Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Leinfellner 1938 – 2010

Elisabeth Leinfellner 1985

Die Mitgründerin der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft, Elisabeth Leinfellner, ist am 4. Jänner 2010 von uns gegangen. Traurig und dankbar denken wir an das Viele, das sie für uns getan hat und laden alle, die mit unserer Gesellschaft verbunden sind, ein, ihr ein ehrenvolles Andenken zu bewahren.

Der akademische Werdegang von Elisabeth Leinfellner führt sie über ihre Studienorte in Wien und München in die USA, wo sie am Doane College in Crete/Nebraska und an der University of Nebraska unterrichtet. Elisabeth Leinfellner ist Sprachwissenschaftlerin, mit klarer Ausrichtung ihrer Interessenslage auf Sprachphilosophie – Semantik und Sprachkritik – sowie Wissenschaftstheorie. In diesem Zusammenhang ist insbesondere ihre hervorragende Kenntnis des Werkes des Philosophen und Literaten Fritz Mauthner zu erwähnen. Ihre Dissertation handelt vom Schrifttum Hermann Hesses, ihre Habilitation von semantischen Netzen und Textzusammenhang.
1986 kehrt Elisabeth Leinfellner endgültig, nach zwanzig Jahren in den USA, nach Österreich zurück, wo sie am Institut für Sprachwissenschaft in Wien weiter wirkt. Gastprofessuren führen Elisabeth Leinfellner an die University of Nebraska, die University of Michigan, wo ihr die Ehre eines „Max Kade Distinguished Visiting Professors“ zuteil wird, und an die Universität Rom.
Elisabeth Leinfellner hat das Honors College der University of Pennsylvania in Wien organisiert, ist tätig am Programm-Komitee der Vienna Summer University des Instituts Wiener Kreis, und ist Ehrenpräsidentin der Bibliotheksinitiativen Wien. In dieser Funktion hat sie jährlich weithin beachtete wissenschaftliche Konferenzen organisiert, zuletzt im November 2009 ein zweitägiges Symposium mit dem Generalthema „Darwin und die Folgen“.
Die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit sind unglaublich vielfältig und mit einem Blick nicht zu erfassen. In einem „50-Jährigen Seminar“ hat sie, oft gemeinsam mit ihrem Gatten, Herrn Professor Werner Leinfellner, weit mehr als 200 wissenschaftliche Publikationen verfasst, welche „ihre“ Wissenschaften nachhaltig beeinflussen und den Stand der Forschung prägen. Die Bandbreite ihrer Publikationen umfasst Untersuchungen zu „Symbolen in der Politik“ und „Politikolinguistik“, geht über Habermas und Ockham bis hin zu gender-spezifischen Themen, wie man heute sagen würde: „Die redselige Frau, der schweigsame Mann und andere sprachliche Stereotypen“.

Pictures of Elisabeth LeinfellnerDie Bedeutung von Elisabeth Leinfellner für die Österreichische Ludwig Wittgenstein Gesellschaft ist einzigartig und unvergleichbar. Sie hat gemeinsam mit ihrem Gatten, mit Rudolf Haller, Paul Weingartner und dem mittlerweile ebenfalls verstorbenen Ehepaar Lore und Adolf Hübner anlässlich des 25. Todestages Ludwig Wittgensteins die „Wittgenstein-Tage“ 1976 organisiert. Im Jahr darauf beginnt mit der Tagung „Wittgenstein and his Impact on Contemporary Thought“ die eigentliche Erfolgsgeschichte der Kirchberger Wittgenstein-Symposien, die das Werk Wittgensteins auch für die aktuelle systematische Philosophie in ihrer vielfältigen Ausprägung fruchtbar gemacht haben. Gemeinsam mit Werner Leinfellner, Hal Berghel und Adolf Hübner trägt Elisabeth Leinfellner nicht nur für die organisatorische, sondern auch für die wissenschaftliche Leitung der 1977-Tagung die Verantwortung.
Elisabeth Leinfellner ist maßgeblich bei der wissenschaftlichen Erarbeitung des Internationalen Wittgenstein Symposiums in den 1970er bis in die 1990er beteiligt. Sie ist von 1994-1997 Präsidentin der ÖLWG, von 1997 bis 2006 Vizepräsidentin, danach Mitglied des Vorstands und des Consulting-Boards. Jahre-, ja jahrzehntelang wirkt sie als Mitherausgeberin der „Schriften der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft“. In dieser Funktion hat sie unter anderem als Co-Editorin bei der Neuherausgabe von Ludwig Wittgensteins „Wörterbuch für Volksschulen“ fungiert.
Elisabeth Leinfellner hat wie kein/e andere/r das Ziel unserer Gesellschaft, „die Aufklärung des Wirkens von Wittgenstein in der Zeit seiner Tätigkeit als Volksschullehrer in Niederösterreich und Erhaltung seiner Wirkungsstätten (Otterthal und Trattenbach)“ (Satzungen der ÖLWG), unterstützt. Zahlreiche Medienartikel in der WIENER ZEITUNG, in der PRESSE, dem STANDARD, den NIEDERÖSTERREICHISCHEN NACHRICHTEN stammen aus ihrer Feder bzw., später, Tastatur. In den „Dimensionen – die Welt der Wissenschaft“ ist sie zu Gast bei Ö1, einmal (1988) sogar im tschechischen Rundfunk. Besondere Verdienste erwirbt sie sich, gemeinsam mit Sascha Windholz, bei der Betreuung der Wittgenstein-Dauerausstellungen in Kirchberg und in Trattenbach. Jahr für Jahr führt sie die Kongress-TeilnehmerInnen kompetent und in ihrer unnachahmlich liebenswürdigen Art durch diese Museen. Von großer Beachtung und Wirkung ist ihr und Sascha Windholz’ Buch „Ludwig Wittgenstein. Ein Volksschullehrer in Niederösterreich“, 2005 bei Sutton erschienen.
Für all diese Verdienste wird Elisabeth Leinfellner auch öffentlich geehrt: Vor allem mit dem „Großen Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich für Wissenschaft und Kunst“.

Seitdem ich im Jahre 2000 im Vorstand der ÖLWG begonnen habe, arbeite ich mit Elisabeth Leinfellner zusammen. Mit ihrem Wissen über die Geschichte unserer Gesellschaft, aber auch durch ihre so vielfältigen Kontakte, durch ihr Know-How in allen die Gesellschaft betreffenden Belangen hat sie mir in vielen kritischen Situationen entscheidend geholfen. Besonders erwähnt seien ihre Beziehungen zur Künstlerschaft, der wir so manches hochkarätige Event bzw. so manche bildnerisch wertvolle Umrahmung unserer Symposiumswoche verdanken; aber auch ihre Mitwirkung am Aufbau des Archivs der ÖLWG. Elisabeth ist immer da gewesen für die Wittgenstein Gesellschaft. Bei ihr habe ich gespürt, dass ihr die Gesellschaft ein wichtiges, man möchte sagen ein Herzensanliegen ist. Elisabeths Hilfestellungen und ihr Einsatz sind nie vom Streben nach individuellen oder partikulären Vorteilen geprägt – ihr geht es um das Ganze. Und: Elisabeth ist nicht nur immer (das ist keine Übertreibung!) ansprechbar gewesen, sie hat auch angepackt. Sie hat nicht nur geredet, sie hat gehandelt. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum der Name Elisabeth Leinfellners, der weltweit angesehenen Wissenschaftlerin, auch in jedem Gasthausstammtisch rund um Kirchberg mit Wertschätzung und besonderer Sympathie genannt wird.

Elisabeth Leinfellner ist nicht mit allem zufrieden gewesen, was in der Gesellschaft geschehen ist. Sie war eine leidenschaftliche, mitunter scharfe Kritikerin. Das hat uns verbunden. Menschen, die alles richtig finden, gibt es genug.

Elisabeth Leinfellner hat auch in schwierigen Lebenssituationen nie ihren Mut verloren. Die Krankheit, die ihre letzten Lebensjahre geprägt hat, konnte sie niemals hindern, Zukunftsperspektiven zu entwickeln, in ihrer beständigen Lust auf Neues sehr konkrete Projekte anzugehen: Die neue Summer-School hat es ihr sehr angetan, ebenso die Idee von „Wittgenstein Lectures“ in Wien, aber auch an anderen Universitätsstandorten. Mein letzter Mailwechsel mit ihr stammt vom 21. Dezember 2009, in dem wir über eine Kunst-Ausstellung während des nächsten Symposiums diskutiert haben.

Wir werden auch diesmal – und in der Zukunft – versuchen, Deinen Elan umzusetzen.
Danke für alles. Es war eine gute Zeit mit Dir Elisabeth!

Christian Kanzian, Präsident der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft
am 29. Jänner 2010




Wenn Sie das Kondolenzbuch unterzeichnen wollen, folgen Sie bitte diesen Link.



Kondolenzbuch-Einträge

In großer Dankbarkeit für Ihre offenen und engagierten Worte im Zusammenhang mit der Verbesserung der Situation von schwer kranken Menschen.
Möge das Herz Flügel bekommen haben

Harald Mori

www.viktorfrankl.at

Harald Mori am 09. 09. 2012

Betroffen habe ich die Nachricht vom Ableben von Frau Professor Leinfellner erhalten.
Im Gedenken an sie löst es in mir eine Traurigkeit und Wehmut aus.

Lieber Herr Professor Leinfellner, ich möchte Ihnen hiermit mein herzliches Beileid zum schweren Verlust der Gattin aussprechen.

Frau Professor Elisabeth Leinfellner war für mich jahrzehntelang ein Mentor und Unterstützer bei unseren Bemühungen “Ludwig Wittgenstein UND Trattenbach” in einer Ausstellung und bei den jährlichen Symposien in geeigneter Weise zu präsentieren, wofür ich mich zu großem Dank verpflichtet fühle.

Bürgermeister Ernst Schabauer, Trattenbach am 19. 03. 2010

Lieber Werner,

wir beide werden Elisabeth immer in liebevoller Erinnerung bewahren. Sie war eine spritzig intelligente, einfühlsame und erfrischend positive Frau, deren Gesellschaft immer anregend und beglückend war. Während ihrer Präsidentschaft, als Klaus Geschäftsführer war, hatten wir sehr engen Kontakt zu ihr. Es waren 3 Jahre, in denen wir intensiv Elisabeths fruchtbringenden Einsatz und Elan in Sachen Wittgenstein beobachten konnten. Wir vermissen Elisabeth und wünschen Dir die nötige Kraft und Stärke für die Zeit ohne sie.

Klaus Puhl und Monika Seidl am 19. 02. 2010

Die Nachricht vom Tod Professor Elisabeth Leinfellners hat mich sehr traurig gemacht. Ich werde sie als eine lebensfrohe und trotz schwerer Krankheit immer optimistische Frau in Erinnerung behalten. Ihre Freundlichkeit, ihre wissenschaftliche Neugierde, ihre Weltoffenheit und ihre stete Hilfsbereitschaft, die ich auf einer Reihe von Konferenzen erleben durfte, waren beeindruckend. Herrn Professor Leinfellner gilt mein aufrichtiges Beileid. Die Wittgenstein-Gemeinschaft verliert eine sehr engagierte und äußerst selbstlose Mitstreiterin.

Ulrich Arnswald, Karlsruhe am 19. 02. 2010

Lieber Werner,

Die Nachricht von Elisabeths Tod hat uns tief betroffen gemacht. Wir behalten sie in Erinnerung als eine offene, stets freundliche und hilfsbereite Frau, die jedem, der es wollte, mit Rat und Tat zur Seite stand und durch die Kraft Ihrer Persönlichkeit die Österreichische Ludwig Wittgenstein Gesellschaft im positivsten Sinne prägte.
Bitte nimm unser Mitgefühl entgegen!

Johann Marek und Maria Reicher-Marek am 18. 02. 2010

Lieber Herr Prof. Leinfellner,
ich möchte ihnen mein tiefstes Beileid aussprechen. Welch ein entsetzlicher Verlust für sie - und auch für uns alle.
Ich kannte Frau Prof. Leinfellner als eine starke und zielgerichtete Frau und bin glücklich, dass ich im Rahmen des Wittgenstein Symposiums mit ihr zusammenarbeiten durfte.

Menschen treten in unser Leben und gehen mit uns ein Stück des Weges.
Einige bleiben für immer, denn sie hinterlassen ihre Spuren in unseren Herzen.

Margret Kronaus am 16. 02. 2010

Lieber Werner,

mit großer Erschütterung habe ich vom Ableben von Elisabeth gehört. Auch die Philosophie kennt letztlich keinen Trost für den Tod dessen, den wir lieben. Ich bin in Gedanken bei Dir.

Dein
Peter Kampits

Peter Kampits am 11. 02. 2010

Lieber Werner Leinfellner,
Hiermit moechte ich Ihnen mein herzliches Beileid zum Tode Ihrer Gattin aussprechen. Seit etwa acht Jahren komme ich regelmaessig zur Wittgensteintagung nach Kirchberg und moechte mich fuer den Einsatz und die Organisation bedanken. Diese Tagungen der Oesterreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft werden im Sinne Ihrer Gattin weitergehen und fortbestehen.

Prof. Dr. Dr. Christian Helmut Wenzel am 10. 02. 2010

Die Nachricht vom Tode Elisabeth Leinfellners hat mich sehr berührt. Obwohl ich von ihrer Krankheit wusste, strahlte sie bis zuletzt so viel Energie und Optimismus aus, dass ich hoffte, sie würde sich gesundheitlich wieder erholen. Ihre Freundlichkeit und ihr Einsatz in so vielen Bereichen waren bewundernswert und werden allen, die sie kannten, in Erinnerung bleiben.

Ilse Somavilla am 10. 02. 2010

Lieber Herr Leinfellner, anstatt Worten lieber ein Link mit Fotos, die ich von Ihnen beiden 2007 in Kirchberg aufgenommen habe. Sie hat die Fotos auch noch gesehen und sich darüber gefreut:
http://www.phil-inst.hu/~neumer/honlap_galerie/kirchberg07/leinfellner/leinfellner.htm

Prof. Dr. Katalin Neumer am 09. 02. 2010

Mit Bedauern habe ich Kenntnis erhalten vom Tod von Frau Professor Leinfellner, die so großartige Verdienste um die Wittgenstein-Gesellschaft und die Symposien erlangt hat, dass man diese kaum alle aufzählen kann. Die hohe weltweite Anerkennung und der Ruhm dieser Symposien ist wesentlich ihr Verdienst. Als Verleger der Gesellschaft drücke ich dem Herrn Gemahl und allen Angehörigen mit tiefempfundenes Beileid aus.

Dr. Rafael Hüntelmann am 08. 02. 2010

Mit Frau Prof. Leinfellner verliert die Wittgenstein-Gesellschaft wirklich eine “Grande Dame”. Ihre Verdienste über die Jahrzehnte sind kaum zu überschätzen, sie wird uns allen fehlen. Mein Mitgefühl gilt aber besonders Ihrem Gatten, Prof. Werner Leinfellner.

Ao.Univ.-Prof.DDr. Winfried Löffler am 08. 02. 2010

Du warst eine Frau mit Ecken und Kanten, und wusstest das. Ja, du warst auch stolz darauf – das machte Dich so menschlich.
Danke für alles was ich von und durch Dich erfahren durfte und mit Dir erlebte. Die Erinnerung an manch leidenschaftliche Diskussion, das Vertrauen, die Freude, an Dein Lachen und die 13jährige harmonische Zusammenarbeit – bleibt in mir.
In tiefer Dankbarkeit. 

Sascha Windholz am 05. 02. 2010