Sein Leben – Sein Werk

Ludwig Josef Johann Wittgenstein

geboren am 26. April 1889 in Wien

Ludwig Wittgenstein war einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, und vielleicht der einflussreichste. Zu seinen Lebzeiten erschienen nur einige wenige seiner Werke: das Buch, das ihn berühmt machte, der „Tractatus logico-philosophicus“, sein kleines „Wörterbuch für Volksschulen“ und zwei Aufsätze. Seine umfangreichen philosophischen Arbeiten nach dem „Tractatus“ zirkulierten in Manuskriptform und wurden erst nach seinem Tod herausgegeben. Eine Gesamtausgabe seiner Werke existiert bis heute nicht, ist aber im Entstehen. Seine Hauptschriften sind jedoch in verschiedenen Ausgaben leicht zugänglich; sie wurden in alle wichtigen Sprachen übersetzt.

Ludwig Wittgenstein war das jüngste Kind einer der bedeutendsten österreichischen Industriellenfamilien der Jahrhundertwende, die im kulturellen Leben Wiens eine ausnehmend große Rolle spielte. Wittgenstein wurde zunächst zu Hause unterrichtet. Eine öffentliche Schule, die k. u. k. Staatsoberrealschule in Linz, besuchte er erst in den letzten drei Jahren vor der Matura. Wittgenstein studierte anschließend Ingenieurwissenschaften in Berlin und später auch in Manchester.

Bei seinen technischen Versuchen (z.B. mit Flugdrachen) stieß er auf Grundlagenprobleme der Mathematik und wandte sich an Bertrand Russell. Dies wurde für ihn die entscheidende Berührung mit der Philosophie. Ende 1911 ging Wittgenstein nach Cambridge, um bei Russell Logik und Philosophie zu studieren. Auch mit dem berühmten Logiker Gottlob Frege nahm er Kontakt auf. Wittgenstein hatte bald den Ruf, einer der brillantesten jungen Philosophen in Cambridge zu sein, und er schloß Freundschaft nicht nur mit dem Philosophen Moore und dem Ökonomen Keynes, sondern auch mit seinem Lehrer Russell.

Ab 1913 arbeitete er - zum Teil in Norwegen, wo er sich in Skjolden ein kleines Holzhaus bauen ließ - an Manuskripten, die Vorarbeiten zum „Tractatus” darstellen.
Wittgenstein nahm als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teil. Er geriet in italienische Gefangenschaft, die ihn in das Lager von Monte Cassino brachte. Die Arbeit am „Tractatus“ hatte er noch vor der Gefangenschaft abgeschlossen.
Wittgenstein hatte anschließend Schwierigkeiten, den „Tractatus“ zu veröffentlichen; erst durch Russells Vermittlung erschien das Buch, zunächst 1921 in „Ostwalds Annalen der Naturphilosophie“ und 1922 in einer deutsch-englischen Ausgabe bei Kegan Paul in London.

Foto von der Familie Wittgenstein/><br /><span style=Wittgenstein Familie, Ludwig auf der rechten Seite, 1914

1919 kehrte er nach Wien zurück und änderte sein Leben: Er übergab sein Vermögen seinen Geschwistern, setzte sich nochmals auf die Schulbank (die einer Lehrerbildungsanstalt) und wurde Volksschullehrer in Trattenbach, Puchberg und Otterthal in Niederösterreich.
Nach einigen Jahren gab Wittgenstein seinen Lehrberuf auf und beschäftigte sich statt dessen mit Architektur. Zusammen mit dem Architekten Engelmann baute er in der Kundmanngasse, in Wien, ein Haus für seine Schwester Margarete.

Schon während seiner Zeit als Lehrer hatte ihn der bedeutende Statistiker und Logiker Ramsey besucht und mit ihm tagelang diskutiert. Die Philosophen des Wiener Kreises, allen voran Schlick, waren vom „Tractatus“ sehr beeindruckt und luden Wittgenstein zu verschiedenen Diskussionen ein. Dies war wohl die Ursache, dass Wittgenstein, der ursprünglich geglaubt hatte, im „Tractat“ alle Probleme der Philosophie gelöst zu haben, doch wieder zur Philosophie zurückkehrte.

Anfang 1929 ging Wittgenstein abermals nach Cambridge. Er promovierte mit dem „Tractatus“ als Dissertation und lehrte dann einige Zeit als Research Fellow. Die Art, wie Wittgenstein lehrte, war gänzlich ungewohnt: Er unterrichtete nur seine eigene Philosophie, sei es Sprachphilosophie, Ästhetik, Philosophie der Psychologie oder der Mathematik. Während dieser Zeit diktierte er seinen Schülern das „Blaue Buch“ und das „Braune Buch“.
Als 1936 die Lehrstelle in Cambridge zu Ende war, ging Wittgenstein nach Norwegen, wo er an seinen Manuskripten weiter arbeitete. 1939 wurde er als Nachfolger Moores auf dessen Lehrstuhl berufen. Im selben Jahr erlangte er die britische Staatsbürgerschaft. Wittgenstein begann seine Lehrtätigkeit als Professor mit einem Seminar über seine „Philosophischen Untersuchungen“. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete Wittgenstein außerdem in zwei Spitälern.

In der Folge löste sich Wittgenstein langsam vom akademischen Leben in Cambridge, verbrachte viel Zeit in Irland, und legte 1947 seine Professur nieder. Bis 1949 arbeitete er hauptsächlich in Irland an seinen späten Schriften zur Philosophie der Psychologie.
1949 reiste Wittgenstein nach Ithaca im Staat New York. Schon vor seiner Abreise hatte er Anzeichen einer Krankheit gespürt, die in den USA in stärkerer Form wieder auftraten. Zurück in England wurde Krebs diagnostiziert. Wenige Wochen vor seinem Tod begann Wittgenstein an neuen Manuskripten zu arbeiten, den „Bemerkungen über die Farben” und „Über Gewissheit”. Wittgenstein starb am 29. April 1951. Bevor er das Bewusstsein verlor, sagte er: „Sage ihnen, dass ich ein wunderbares Leben gehabt habe.”

Text von Elisabeth Leinfellner

 

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