Einreichungen

Die ÖLWG lädt hiermit alle Interessierten zur Teilnahme am 35. Internationalen Wittgenstein Symposium ein. ReferentInnen sollten unsere Hinweise für das Verfassen von Papers durchlesen. Vergewissern Sie sich, bevor sie Ihren Beitrag einreichen, dass Ihre Anmeldung zum Symposium bestätigt ist (siehe Abschnitt Anmeldung). Weiters beachten Sie bitte folgende Punkte:

  • Die Vorträge müssen auf Englisch oder Deutsch verfasst sein.
  • Die Texte müssen bis 30. April 2012 bei den Organisatoren eingelangt sein.
  • Die Beiträge dürfen weder veröffentlicht noch zur Veröffentlichung in einer anderen Publikation vorgesehen sein.
  • Die eingereichten Texte werden veröffentlicht.
  • Jeder Vortrag dauert 40 Minuten, wobei mindestens 10 Minuten für die Diskussion reserviert sind. Daher beträgt die maximale Vortragsdauer 30 Minuten, und nur Beiträge, die in 30 Minuten vorgetragen werden können, werden akzeptiert.


Das Wittgenstein-Symposium Ethik – Gesellschaft – Politik soll Fragestellungen aufgreifen und miteinander verbinden, die in Kirchberg zuletzt 1996 – Aktuelle Fragen Politischer Philosophie – und 1998 – Angewandte Ethik – behandelt wurden. In den liberalen westlichen Gesellschaften ist heute eine zunehmende Politisierung der Ethik und eine Ethisierung der Politik zu beobachten; ein Phänomen, das der englische Soziologe Nikolas Rose als „Etho-Politics“ bezeichnet. Ethische „Werte“ werden immer häufiger als Motive und Begründungen politisch-gesellschaftlichen Handelns mobilisiert, während moralische Probleme zum Gegenstand politischer Aushandlungsprozesse werden.
Die Frage nach dem möglichen (Wechsel-) Verhältnis von Moralvorstellungen, Zivilgesellschaft und Institutionen in modernen liberalen Demokratien stellt sich dabei besonders im Rahmen der Angewandten Ethik, da diese, in Abweichung vom etablierten Neutralitätsgrundsatz liberaler Gesellschaften, letztlich vom Gemeinwesen fordert, Vorentscheidungen darüber zu fällen, was das „gute Leben“ ist, und wahrgenommene Regulierungslücken auf Grundlage ethischer Erwägungen zu füllen.
Doch während diese Diskussion von im weitesten Sinne bioethischen Fragen rund um die wachsenden Möglichkeiten der Humanmedizin schon Jahre andauert, ist die öffentliche Aufmerksamkeit für Fragen anderer Spezialethiken, wie der Umweltethik (Klimawandel), Wirtschaftsethik (Finanzkrise) und Risikoethik (Risikogesellschaft), neueren Datums. Heute gibt es kaum mehr einen Bereich des öffentlichen wie privaten Lebens, zu dem es keine Spezialethik gäbe. Dabei erstreckt sich das Spektrum von Businessethik, über Computer-, Nano- und Neuroethik, zu Fortpflanzungsethik und der Ethik der Zahnmedizin, um nur einige zu nennen.
Der Ursprung des geschilderten Phänomens mag in der zunehmenden Komplexität, Reichweite und Eingriffstiefe technologischer und organisationaler Aktivitäten in modernen Gesellschaften liegen, da diese von einer stetigen Zunahme von Wissen abhängig sind – das sich möglicherweise nicht in wissenschaftlicher und technologischer Expertise erschöpft. Durch die Etablierung von Ethikkommissionen in vielen Bereichen der Gesellschaft diffundiert ethisches Expertenwissen und die damit verbundene Macht, wissenschaftliches und politisches Handeln zu legitimieren, in alle Bereiche des Zusammenlebens und gewinnt so an gesellschaftlicher Bedeutung und öffentlichem Interesse. Überhaupt werden ethische Fragestellungen immer häufiger interdisziplinär behandelt und damit Gegenstand sowohl metaethischer Untersuchungen als auch politischer Diskurse.
Die geplante Tagung Ethik – Gesellschaft – Politik soll vor diesem Hintergrund als ein Forum zur Diskussion ethischer Theorie und Praxis dienen, in Hinblick auf eine Vielfalt von Dimensionen politischen und sozialen Lebens.

Das Call for Papers und die Sektionsbeschreibungen können hier heruntergeladen werden.