{"id":1971,"date":"2018-06-10T20:20:44","date_gmt":"2018-06-10T18:20:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alws.at\/alws\/?p=1971"},"modified":"2018-06-10T20:20:44","modified_gmt":"2018-06-10T18:20:44","slug":"nachruf-auf-univ-prof-dr-elisabeth-leinfellner-1938-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alws.at\/de\/nachruf-auf-univ-prof-dr-elisabeth-leinfellner-1938-2010\/","title":{"rendered":"Nachruf auf Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Leinfellner 1938 \u2013 2010"},"content":{"rendered":"<p>Die Mitgr\u00fcnderin der \u00d6sterreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft, Elisabeth Leinfellner, ist am 4. J\u00e4nner 2010 von uns gegangen. Traurig und dankbar denken wir an das Viele, das sie f\u00fcr uns getan hat und laden alle, die mit unserer Gesellschaft verbunden sind, ein, ihr ein ehrenvolles Andenken zu bewahren.<\/p>\n<p>Der akademische Werdegang von Elisabeth Leinfellner f\u00fchrt sie \u00fcber ihre Studienorte in Wien und M\u00fcnchen in die USA, wo sie am Doane College in Crete\/Nebraska und an der University of Nebraska unterrichtet. Elisabeth Leinfellner ist Sprachwissenschaftlerin, mit klarer Ausrichtung ihrer Interessenslage auf Sprachphilosophie \u2013 Semantik und Sprachkritik \u2013 sowie Wissenschaftstheorie. In diesem Zusammenhang ist insbesondere ihre hervorragende Kenntnis des Werkes des Philosophen und Literaten Fritz Mauthner zu erw\u00e4hnen. Ihre Dissertation handelt vom Schrifttum Hermann Hesses, ihre Habilitation von semantischen Netzen und Textzusammenhang.<br \/>\n1986 kehrt Elisabeth Leinfellner endg\u00fcltig, nach zwanzig Jahren in den USA, nach \u00d6sterreich zur\u00fcck, wo sie am Institut f\u00fcr Sprachwissenschaft in Wien weiter wirkt. Gastprofessuren f\u00fchren Elisabeth Leinfellner an die University of Nebraska, die University of Michigan, wo ihr die Ehre eines \u201eMax Kade Distinguished Visiting Professors\u201c zuteil wird, und an die Universit\u00e4t Rom.<br \/>\nElisabeth Leinfellner hat das Honors College der University of Pennsylvania in Wien organisiert, ist t\u00e4tig am Programm-Komitee der Vienna Summer University des Instituts Wiener Kreis, und ist Ehrenpr\u00e4sidentin der Bibliotheksinitiativen Wien. In dieser Funktion hat sie j\u00e4hrlich weithin beachtete wissenschaftliche Konferenzen organisiert, zuletzt im November 2009 ein zweit\u00e4giges Symposium mit dem Generalthema \u201eDarwin und die Folgen\u201c.<br \/>\nDie Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit sind unglaublich vielf\u00e4ltig und mit einem Blick nicht zu erfassen. In einem \u201e50-J\u00e4hrigen Seminar\u201c hat sie, oft gemeinsam mit ihrem Gatten, Herrn Professor Werner Leinfellner, weit mehr als 200 wissenschaftliche Publikationen verfasst, welche \u201eihre\u201c Wissenschaften nachhaltig beeinflussen und den Stand der Forschung pr\u00e4gen. Die Bandbreite ihrer Publikationen umfasst Untersuchungen zu \u201eSymbolen in der Politik\u201c und \u201ePolitikolinguistik\u201c, geht \u00fcber Habermas und Ockham bis hin zu gender-spezifischen Themen, wie man heute sagen w\u00fcrde: \u201eDie redselige Frau, der schweigsame Mann und andere sprachliche Stereotypen\u201c.<\/p>\n<p>Die Bedeutung von Elisabeth Leinfellner f\u00fcr die \u00d6sterreichische Ludwig Wittgenstein Gesellschaft ist einzigartig und unvergleichbar. Sie hat gemeinsam mit ihrem Gatten, mit Rudolf Haller, Paul Weingartner und dem mittlerweile ebenfalls verstorbenen Ehepaar Lore und Adolf H\u00fcbner anl\u00e4sslich des 25. Todestages Ludwig Wittgensteins die \u201eWittgenstein-Tage\u201c 1976 organisiert. Im Jahr darauf beginnt mit der Tagung \u201eWittgenstein and his Impact on Contemporary Thought\u201c die eigentliche Erfolgsgeschichte der Kirchberger Wittgenstein-Symposien, die das Werk Wittgensteins auch f\u00fcr die aktuelle systematische Philosophie in ihrer vielf\u00e4ltigen Auspr\u00e4gung fruchtbar gemacht haben. Gemeinsam mit Werner Leinfellner, Hal Berghel und Adolf H\u00fcbner tr\u00e4gt Elisabeth Leinfellner nicht nur f\u00fcr die organisatorische, sondern auch f\u00fcr die wissenschaftliche Leitung der 1977-Tagung die Verantwortung.<br \/>\nElisabeth Leinfellner ist ma\u00dfgeblich bei der wissenschaftlichen Erarbeitung des Internationalen Wittgenstein Symposiums in den 1970er bis in die 1990er beteiligt. Sie ist von 1994-1997 Pr\u00e4sidentin der \u00d6LWG, von 1997 bis 2006 Vizepr\u00e4sidentin, danach Mitglied des Vorstands und des Consulting-Boards. Jahre-, ja jahrzehntelang wirkt sie als Mitherausgeberin der \u201eSchriften der \u00d6sterreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft\u201c. In dieser Funktion hat sie unter anderem als Co-Editorin bei der Neuherausgabe von Ludwig Wittgensteins \u201eW\u00f6rterbuch f\u00fcr Volksschulen\u201c fungiert.<br \/>\nElisabeth Leinfellner hat wie kein\/e andere\/r das Ziel unserer Gesellschaft, \u201edie Aufkl\u00e4rung des Wirkens von Wittgenstein in der Zeit seiner T\u00e4tigkeit als Volksschullehrer in Nieder\u00f6sterreich und Erhaltung seiner Wirkungsst\u00e4tten (Otterthal und Trattenbach)\u201c (Satzungen der \u00d6LWG), unterst\u00fctzt. Zahlreiche Medienartikel in der WIENER ZEITUNG, in der PRESSE, dem STANDARD, den NIEDER\u00d6STERREICHISCHEN NACHRICHTEN stammen aus ihrer Feder bzw., sp\u00e4ter, Tastatur. In den \u201eDimensionen \u2013 die Welt der Wissenschaft\u201c ist sie zu Gast bei \u00d61, einmal (1988) sogar im tschechischen Rundfunk. Besondere Verdienste erwirbt sie sich, gemeinsam mit Sascha Windholz, bei der Betreuung der Wittgenstein-Dauerausstellungen in Kirchberg und in Trattenbach. Jahr f\u00fcr Jahr f\u00fchrt sie die Kongress-TeilnehmerInnen kompetent und in ihrer unnachahmlich liebensw\u00fcrdigen Art durch diese Museen. Von gro\u00dfer Beachtung und Wirkung ist ihr und Sascha Windholz\u2019 Buch \u201eLudwig Wittgenstein. Ein Volksschullehrer in Nieder\u00f6sterreich\u201c, 2005 bei Sutton erschienen.<br \/>\nF\u00fcr all diese Verdienste wird Elisabeth Leinfellner auch \u00f6ffentlich geehrt: Vor allem mit dem \u201eGro\u00dfen Ehrenzeichen f\u00fcr Verdienste um das Bundesland Nieder\u00f6sterreich f\u00fcr Wissenschaft und Kunst\u201c.<\/p>\n<p>Seitdem ich im Jahre 2000 im Vorstand der \u00d6LWG begonnen habe, arbeite ich mit Elisabeth Leinfellner zusammen. Mit ihrem Wissen \u00fcber die Geschichte unserer Gesellschaft, aber auch durch ihre so vielf\u00e4ltigen Kontakte, durch ihr Know-How in allen die Gesellschaft betreffenden Belangen hat sie mir in vielen kritischen Situationen entscheidend geholfen. Besonders erw\u00e4hnt seien ihre Beziehungen zur K\u00fcnstlerschaft, der wir so manches hochkar\u00e4tige Event bzw. so manche bildnerisch wertvolle Umrahmung unserer Symposiumswoche verdanken; aber auch ihre Mitwirkung am Aufbau des Archivs der \u00d6LWG. Elisabeth ist immer da gewesen f\u00fcr die Wittgenstein Gesellschaft. Bei ihr habe ich gesp\u00fcrt, dass ihr die Gesellschaft ein wichtiges, man m\u00f6chte sagen ein Herzensanliegen ist. Elisabeths Hilfestellungen und ihr Einsatz sind nie vom Streben nach individuellen oder partikul\u00e4ren Vorteilen gepr\u00e4gt \u2013 ihr geht es um das Ganze. Und: Elisabeth ist nicht nur immer (das ist keine \u00dcbertreibung!) ansprechbar gewesen, sie hat auch angepackt. Sie hat nicht nur geredet, sie hat gehandelt. Vielleicht ist das einer der Gr\u00fcnde, warum der Name Elisabeth Leinfellners, der weltweit angesehenen Wissenschaftlerin, auch in jedem Gasthausstammtisch rund um Kirchberg mit Wertsch\u00e4tzung und besonderer Sympathie genannt wird.<\/p>\n<p>Elisabeth Leinfellner ist nicht mit allem zufrieden gewesen, was in der Gesellschaft geschehen ist. Sie war eine leidenschaftliche, mitunter scharfe Kritikerin. Das hat uns verbunden. Menschen, die alles richtig finden, gibt es genug.<\/p>\n<p>Elisabeth Leinfellner hat auch in schwierigen Lebenssituationen nie ihren Mut verloren. Die Krankheit, die ihre letzten Lebensjahre gepr\u00e4gt hat, konnte sie niemals hindern, Zukunftsperspektiven zu entwickeln, in ihrer best\u00e4ndigen Lust auf Neues sehr konkrete Projekte anzugehen: Die neue Summer-School hat es ihr sehr angetan, ebenso die Idee von \u201eWittgenstein Lectures\u201c in Wien, aber auch an anderen Universit\u00e4tsstandorten. Mein letzter Mailwechsel mit ihr stammt vom 21. Dezember 2009, in dem wir \u00fcber eine Kunst-Ausstellung w\u00e4hrend des n\u00e4chsten Symposiums diskutiert haben.<\/p>\n<p>Wir werden auch diesmal \u2013 und in der Zukunft \u2013 versuchen, Deinen Elan umzusetzen.<br \/>\nDanke f\u00fcr alles. Es war eine gute Zeit mit Dir Elisabeth!<\/p>\n<p>Christian Kanzian, Pr\u00e4sident der \u00d6sterreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft<br \/>\nam 29. J\u00e4nner 2010<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mitgr\u00fcnderin der \u00d6sterreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft, Elisabeth Leinfellner, ist am 4. J\u00e4nner 2010 von uns gegangen. Traurig und dankbar denken wir an das Viele, das sie f\u00fcr uns getan hat und laden alle, die mit unserer Gesellschaft verbunden sind, ein, ihr ein ehrenvolles Andenken zu bewahren. 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