{"id":268,"date":"2018-04-15T13:24:55","date_gmt":"2018-04-15T11:24:55","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:8888\/blog\/?p=268"},"modified":"2022-07-28T16:27:28","modified_gmt":"2022-07-28T14:27:28","slug":"sein-leben-sein-werk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alws.at\/de\/sein-leben-sein-werk\/","title":{"rendered":"Sein Leben \u2013 Sein Werk"},"content":{"rendered":"<h3>Ludwig Josef Johann Wittgenstein<\/h3>\n<h4>geboren am 26. April 1889 in Wien, gestorben am 29. April 1951.<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ludwig Wittgenstein war einer der wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Zu seinen Lebzeiten erschienen nur einige wenige seiner Werke: das Buch, das ihn ber\u00fchmt machte, der <em>Tractatus logico-philosophicus<\/em>, sein kleines <em>W\u00f6rterbuch f\u00fcr Volksschulen<\/em> und zwei Aufs\u00e4tze. Seine umfangreichen philosophischen Arbeiten nach dem <em>Tractatus<\/em> zirkulierten in Manuskriptform und wurden erst nach seinem Tod herausgegeben.<\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p>Ludwig Wittgenstein war das j\u00fcngste Kind einer der bedeutendsten \u00f6sterreichischen Industriellenfamilien der Jahrhundertwende, die im kulturellen Leben Wiens eine ausnehmend gro\u00dfe Rolle spielte. Wittgenstein wurde zun\u00e4chst zu Hause unterrichtet. Eine \u00f6ffentliche Schule, die k. u. k. Staatsoberrealschule in Linz, besuchte er erst in den letzten drei Jahren vor der Matura. Wittgenstein studierte anschlie\u00dfend Ingenieurwissenschaften in Berlin und sp\u00e4ter auch in Manchester.<\/p>\n<p>Bei seinen technischen Versuchen (z. B. mit Flugdrachen) stie\u00df er auf Grundlagenprobleme der Mathematik und wandte sich an Bertrand Russell. Dies wurde f\u00fcr ihn die entscheidende Ber\u00fchrung mit der Philosophie.<\/p>\n<p>Ende 1911 ging Wittgenstein nach Cambridge, um bei Bertrand Russell Logik und Philosophie zu studieren. Auch mit dem ber\u00fchmten Logiker Gottlob Frege nahm er Kontakt auf. Wittgenstein hatte bald den Ruf, einer der brillantesten jungen Philosophen in Cambridge zu sein, und er schlo\u00df Freundschaft nicht nur mit dem Philosophen George Edward Moore und dem \u00d6konomen John Maynard Keynes, sondern auch mit seinem Lehrer Bertrand Russell.<\/p>\n<p>Ab 1913 arbeitete er \u2013 zum Teil in Norwegen, wo er sich in Skjolden ein kleines Holzhaus bauen lie\u00df \u2013 an Manuskripten, die Vorarbeiten zum <em>Tractatus<\/em> darstellen.<\/p>\n<p>Wittgenstein nahm als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teil. Er geriet in italienische Gefangenschaft, die ihn in das Lager von Monte Cassino brachte. Die Arbeit am <em>Tractatus<\/em> hatte er noch vor der Gefangenschaft abgeschlossen.<\/p>\n<p>Wittgenstein hatte anschlie\u00dfend Schwierigkeiten, den <em>Tractatus<\/em> zu ver\u00f6ffentlichen; erst durch Russells Vermittlung erschien das Buch, zun\u00e4chst 1921 in <em>Ostwalds Annalen der Naturphilosophie<\/em> und 1922 in einer deutsch-englischen Ausgabe bei Kegan Paul in London.<\/p>\n<p>1919 kehrte er nach Wien zur\u00fcck und \u00e4nderte sein Leben: Er \u00fcbergab sein Verm\u00f6gen seinen Geschwistern, setzte sich nochmals auf die Schulbank (diesmal jene einer Lehrerbildungsanstalt) und wurde Volksschullehrer in Trattenbach, Puchberg und Otterthal in Nieder\u00f6sterreich.<\/p>\n<p>Nach kaum sechs Jahren gab Wittgenstein seinen Lehrberuf auf und besch\u00e4ftigte sich stattdessen mit Architektur. Zusammen mit dem Architekten Paul Engelmann baute er in der Kundmanngasse, in Wien, ein Haus f\u00fcr seine Schwester Margarethe.<\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend seiner Zeit als Lehrer hatte ihn der bedeutende Statistiker und Logiker Paul Ramsey besucht und mit ihm tagelang diskutiert. Die Philosophen des Wiener Kreises, allen voran Moritz Schlick, waren vom <em>Tractatus<\/em> sehr beeindruckt und luden Wittgenstein zu verschiedenen Diskussionen ein. Dies war wohl die Ursache, dass Wittgenstein, der urspr\u00fcnglich geglaubt hatte, im <em>Traktat<\/em> alle Probleme der Philosophie gel\u00f6st zu haben, doch wieder zur Philosophie zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p>Anfang 1929 ging Wittgenstein abermals nach Cambridge. Er promovierte mit dem <em>Tractatus Logico-Philosophicus<\/em> als Dissertation und lehrte dann einige Zeit als Research Fellow. Die Art, wie Wittgenstein lehrte, war g\u00e4nzlich ungewohnt: Er unterrichtete nur seine eigene Philosophie, sei es Sprachphilosophie, \u00c4sthetik, Philosophie der Psychologie oder Philosophie der Mathematik. W\u00e4hrend dieser Zeit diktierte er seinen Sch\u00fclern das <em>Blaue Buch<\/em> und das <em>Braune Buch<\/em>.<\/p>\n<p>Als 1936 die Lehrstelle in Cambridge zu Ende war, ging Wittgenstein nach Norwegen, wo er an seinen Manuskripten weiter arbeitete. 1939 wurde er als Nachfolger Moores auf dessen Lehrstuhl berufen. Im selben Jahr erlangte er die britische Staatsb\u00fcrgerschaft. Wittgenstein begann seine Lehrt\u00e4tigkeit als Professor mit einem Seminar \u00fcber seine <em>Philosophischen Untersuchungen<\/em>. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges arbeitete Wittgenstein au\u00dferdem in zwei Spit\u00e4lern.<\/p>\n<p>In der Folge l\u00f6ste sich Wittgenstein langsam vom akademischen Leben in Cambridge, verbrachte viel Zeit in Irland, und legte 1947 seine Professur nieder. Bis 1949 arbeitete er haupts\u00e4chlich in Irland an seinen sp\u00e4ten Schriften zur Philosophie der Psychologie.<\/p>\n<p>1949 reiste Wittgenstein nach Ithaca im Staat New York. Schon vor seiner Abreise hatte er Anzeichen einer Krankheit gesp\u00fcrt, die in den USA in st\u00e4rkerer Form wieder auftraten. Zur\u00fcck in England wurde Krebs diagnostiziert. Wenige Wochen vor seinem Tod begann Wittgenstein an neuen Manuskripten zu arbeiten, den <em>Bemerkungen \u00fcber die Farben<\/em> und <em>\u00dcber Gewissheit<\/em>. Wittgenstein starb am 29. April 1951. Bevor er das Bewusstsein verlor, sagte er: \u201eSage ihnen, dass ich ein wunderbares Leben gehabt habe.\u201c<\/p>\n<h6>(Text von Elisabeth Leinfellner)<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Josef Johann Wittgenstein geboren am 26. April 1889 in Wien, gestorben am 29. April 1951. &nbsp; Ludwig Wittgenstein war einer der wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Lebzeiten erschienen nur einige wenige seiner Werke: das Buch, das ihn ber\u00fchmt machte, der Tractatus logico-philosophicus, sein kleines W\u00f6rterbuch f\u00fcr Volksschulen und zwei Aufs\u00e4tze. Seine umfangreichen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-268","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wittgenstein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alws.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alws.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alws.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alws.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alws.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=268"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.alws.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/268\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2982,"href":"https:\/\/www.alws.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/268\/revisions\/2982"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alws.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alws.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alws.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}