{"id":3735,"date":"2026-07-01T05:34:15","date_gmt":"2026-07-01T03:34:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alws.at\/?p=3735"},"modified":"2026-07-01T05:41:15","modified_gmt":"2026-07-01T03:41:15","slug":"nachruf-peter-kampits","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alws.at\/de\/nachruf-peter-kampits\/","title":{"rendered":"Nachruf Peter Kampits"},"content":{"rendered":"<p><strong>Peter Kampits 1942 &#8211; 2026<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00d6LWG trauert um Peter Kampits, langj\u00e4hriges Vorstandsmitglied, Vizepr\u00e4sident von 2006 bis 2024, wissenschaftlicher Organisator des Internationalen Wittgenstein Symposiums 1998 zu Angewandter Ethik (gemeinsam mit Anja Weiberg und Karoly Kokai).<\/p>\n<p>Unser Mitgef\u00fchl gilt den Familienangeh\u00f6rigen, in erster Linie seiner Ehefrau, Eva Horvati\u0107, seiner Tochter Katharina Kampits und ihrem Partner Adrian Wicki.<\/p>\n<p>Es kann hier nicht darum gehen, die Verdienste Peter Kampits\u2018 als akademischer Philosoph, Wissenschaftspolitiker und pr\u00e4gende Gestalt des \u00f6ffentlichen geisteswissenschaftlichen Diskurses darzustellen. Dazu sei auf den Nachruf von Anja Weiberg und Helma Riefenthaler auf der Homepage des Instituts f\u00fcr Philosophie in Wien verwiesen: <a href=\"https:\/\/philosophie.univie.ac.at\/institut\/mitglieder\/in-memoriam\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/philosophie.univie.ac.at\/institut\/mitglieder\/in-memoriam\/<\/a><br \/>\nbzw. auf die Festschrift Peter Kampits. Zum 80. Geburtstag des Philosophen, herausgegeben von Reinhard Linke und Christoph Mayer, Edition Donau Universit\u00e4t Krems, 2022.<\/p>\n<p>An dieser Stelle soll Peter Kampits\u2018 Wirken in der \u00d6sterreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft (\u00d6LWG), aus der pers\u00f6nlichen Perspektive des Autors, thematisiert werden.<\/p>\n<p>Peter Kampits hat in der scientific community zweifellos Wichtigeres geleistet als die Funktion\u00e4rsarbeit in unserer Gesellschaft. Aber, ebenso zweifelsfrei war ihm die \u00d6LWG wichtig, ja sehr wichtig. Seine Arbeit im Vorstand der \u00d6LWG und seine Funktion als Vizepr\u00e4sent hat er sehr gerne und mit echtem Engagement wahrgenommen. Selbst in der Phase abnehmender Kr\u00e4fte und Mobilit\u00e4t war ihm das Vereinsgeschehen nach wie vor ein Anliegen. Wann immer es m\u00f6glich war, online an Sitzungen teilzunehmen, hat er es getan. Dabei war er nicht nur passiver Zuh\u00f6rer, sondern hat sich mit all seiner Kompetenz aktiv eingebracht.<\/p>\n<p>Wenn man die Jahre seines Engagements in Kirchberg am Wechsel betrachtet, kann man es so auf den Punkt bringen, dass der \u201eWittgensteinianer\u201c Peter Kampits ein eigenes Profil hatte, nicht vergleichbar mit dem anderer, vielleicht aber auch nicht mit der Weise, wie man ihn anderswo kannte.<\/p>\n<p>Peter war ein mutiger und, wenn es sein musste, auch unbequemer Kollege. Im oben erw\u00e4hnten Nachruf ist zu lesen, dass er selbst in Kriegsjahren nicht von seiner Vortragst\u00e4tigkeit in den Krisengebieten des ehemaligen Jugoslawien, namentlich in Dubrovnik, abzuhalten war. Bei uns zeigte sich sein Mut, als er, wie schon geschrieben, 1998 ein Symposium zur Angewandten Ethik organisiert hat. Heute w\u00fcrde man vielleicht fragen: na und? Damals war das alles andere als eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, wenn man sich an den Beginn der 90er Jahre erinnert, in denen diverse Konflikte um dieses Thema den Kirchberger Symposien arg zugesetzt haben. Peter hat dies, nat\u00fcrlich mit seinen mitorganisierenden Kolleg:innen, souver\u00e4n gemeistert und damit einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftssicherung erbracht.<\/p>\n<p>Nicht nur im Gro\u00dfen, sondern, oft unbemerkt, im Kleinen, war Peter mutig. Ich erinnere mich an so manche Sitzung bzw. an so manche Abstimmung, bei der Verhandlungsmaterie Gefahr gelaufen ist, schnell, ja vorschnell abgehandelt zu werden. Es war Peter Kampits, der mehr als einmal eingeworfen hat: halt, stopp, bitte genauer hinschauen. Er hat auch auf das Risiko hin, der einzige zu sein, gegen Antr\u00e4ge gestimmt. Wichtig war ihm Authentizit\u00e4t, nicht der Beifall einer Mehrheit.<\/p>\n<p>Ein zweiter Aspekt ist ebenfalls wichtig zu erw\u00e4hnen. Bekannt ist Peter Kampits als einflussreicher \u201e\u00f6ffentlicher Philosoph\u201c. Weniger bekannt ist seine Bereitschaft, sich auch im Hintergrund zu engagieren. Das hat uns sehr geholfen, z.B. wenn es darum ging, institutionelle Kontakte zu pflegen bzw. \u00fcberhaupt neu herzustellen. Peter, der Macher und Gr\u00fcnder, konnte sich durchaus auch in den Dienst nehmen lassen. Daf\u00fcr allein sollten wir ihm dauerhaft dankbar sein.<\/p>\n<p>Und ein Drittes: Peter Kampits ist bekannt als jemand, der seinen Standpunkt schon einmal mit Elan durchsetzen konnte, der Konflikte aufnahm und sich kein Blatt vor den Mund genommen hat, wie man so sch\u00f6n sagt. Peter Kampits war aber auch ein Mensch mit gro\u00dfen empathischen F\u00e4higkeiten und, wenn es nicht zu verstaubt klingt, Herzlichkeit. In zahlreichen pers\u00f6nlichen Begegnungen hat er mich zur Seite genommen und, ganz unspektakul\u00e4r, seine Unterst\u00fctzung bekundet. Wenn es schwer wurde, konnte man von ihm ehrlich gemeinte Worte des Zuspruchs erhalten. In Erinnerung bleibt sein interessierter Umgang mit Teilnehmer:innen an unseren Symposien, nicht nur mit \u201ePromis\u201c. So lange er konnte, stand er mit Stammg\u00e4sten am Tennisplatz, wie beispielsweise mit dem unvergesslichen Peter Kirschenmann. Auch mit \u201eschwierigeren\u201c Kolleg:innen konnte er gut und hat dabei stets kalmierend und ausgleichend gewirkt.<\/p>\n<p>Peter, Du fehlst. Bleibendes, ehrenvolles Andenken k\u00f6nnen wir Dir garantieren.<\/p>\n<p>Christian Kanzian<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Kampits 1942 &#8211; 2026 Die \u00d6LWG trauert um Peter Kampits, langj\u00e4hriges Vorstandsmitglied, Vizepr\u00e4sident von 2006 bis 2024, wissenschaftlicher Organisator des Internationalen Wittgenstein Symposiums 1998 zu Angewandter Ethik (gemeinsam mit Anja Weiberg und Karoly Kokai). 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