Peter Kampits 1942 – 2026
Die ÖLWG trauert um Peter Kampits, langjähriges Vorstandsmitglied, Vizepräsident von 2006 bis 2024, wissenschaftlicher Organisator des Internationalen Wittgenstein Symposiums 1998 zu Angewandter Ethik (gemeinsam mit Anja Weiberg und Karoly Kokai).
Unser Mitgefühl gilt den Familienangehörigen, in erster Linie seiner Ehefrau, Eva Horvatić, seiner Tochter Katharina Kampits und ihrem Partner Adrian Wicki.
Es kann hier nicht darum gehen, die Verdienste Peter Kampits‘ als akademischer Philosoph, Wissenschaftspolitiker und prägende Gestalt des öffentlichen geisteswissenschaftlichen Diskurses darzustellen. Dazu sei auf den Nachruf von Anja Weiberg und Helma Riefenthaler auf der Homepage des Instituts für Philosophie in Wien verwiesen: https://philosophie.univie.ac.at/institut/mitglieder/in-memoriam/
bzw. auf die Festschrift Peter Kampits. Zum 80. Geburtstag des Philosophen, herausgegeben von Reinhard Linke und Christoph Mayer, Edition Donau Universität Krems, 2022.
An dieser Stelle soll Peter Kampits‘ Wirken in der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft (ÖLWG), aus der persönlichen Perspektive des Autors, thematisiert werden.
Peter Kampits hat in der scientific community zweifellos Wichtigeres geleistet als die Funktionärsarbeit in unserer Gesellschaft. Aber, ebenso zweifelsfrei war ihm die ÖLWG wichtig, ja sehr wichtig. Seine Arbeit im Vorstand der ÖLWG und seine Funktion als Vizepräsent hat er sehr gerne und mit echtem Engagement wahrgenommen. Selbst in der Phase abnehmender Kräfte und Mobilität war ihm das Vereinsgeschehen nach wie vor ein Anliegen. Wann immer es möglich war, online an Sitzungen teilzunehmen, hat er es getan. Dabei war er nicht nur passiver Zuhörer, sondern hat sich mit all seiner Kompetenz aktiv eingebracht.
Wenn man die Jahre seines Engagements in Kirchberg am Wechsel betrachtet, kann man es so auf den Punkt bringen, dass der „Wittgensteinianer“ Peter Kampits ein eigenes Profil hatte, nicht vergleichbar mit dem anderer, vielleicht aber auch nicht mit der Weise, wie man ihn anderswo kannte.
Peter war ein mutiger und, wenn es sein musste, auch unbequemer Kollege. Im oben erwähnten Nachruf ist zu lesen, dass er selbst in Kriegsjahren nicht von seiner Vortragstätigkeit in den Krisengebieten des ehemaligen Jugoslawien, namentlich in Dubrovnik, abzuhalten war. Bei uns zeigte sich sein Mut, als er, wie schon geschrieben, 1998 ein Symposium zur Angewandten Ethik organisiert hat. Heute würde man vielleicht fragen: na und? Damals war das alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich an den Beginn der 90er Jahre erinnert, in denen diverse Konflikte um dieses Thema den Kirchberger Symposien arg zugesetzt haben. Peter hat dies, natürlich mit seinen mitorganisierenden Kolleg:innen, souverän gemeistert und damit einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftssicherung erbracht.
Nicht nur im Großen, sondern, oft unbemerkt, im Kleinen, war Peter mutig. Ich erinnere mich an so manche Sitzung bzw. an so manche Abstimmung, bei der Verhandlungsmaterie Gefahr gelaufen ist, schnell, ja vorschnell abgehandelt zu werden. Es war Peter Kampits, der mehr als einmal eingeworfen hat: halt, stopp, bitte genauer hinschauen. Er hat auch auf das Risiko hin, der einzige zu sein, gegen Anträge gestimmt. Wichtig war ihm Authentizität, nicht der Beifall einer Mehrheit.
Ein zweiter Aspekt ist ebenfalls wichtig zu erwähnen. Bekannt ist Peter Kampits als einflussreicher „öffentlicher Philosoph“. Weniger bekannt ist seine Bereitschaft, sich auch im Hintergrund zu engagieren. Das hat uns sehr geholfen, z.B. wenn es darum ging, institutionelle Kontakte zu pflegen bzw. überhaupt neu herzustellen. Peter, der Macher und Gründer, konnte sich durchaus auch in den Dienst nehmen lassen. Dafür allein sollten wir ihm dauerhaft dankbar sein.
Und ein Drittes: Peter Kampits ist bekannt als jemand, der seinen Standpunkt schon einmal mit Elan durchsetzen konnte, der Konflikte aufnahm und sich kein Blatt vor den Mund genommen hat, wie man so schön sagt. Peter Kampits war aber auch ein Mensch mit großen empathischen Fähigkeiten und, wenn es nicht zu verstaubt klingt, Herzlichkeit. In zahlreichen persönlichen Begegnungen hat er mich zur Seite genommen und, ganz unspektakulär, seine Unterstützung bekundet. Wenn es schwer wurde, konnte man von ihm ehrlich gemeinte Worte des Zuspruchs erhalten. In Erinnerung bleibt sein interessierter Umgang mit Teilnehmer:innen an unseren Symposien, nicht nur mit „Promis“. So lange er konnte, stand er mit Stammgästen am Tennisplatz, wie beispielsweise mit dem unvergesslichen Peter Kirschenmann. Auch mit „schwierigeren“ Kolleg:innen konnte er gut und hat dabei stets kalmierend und ausgleichend gewirkt.
Peter, Du fehlst. Bleibendes, ehrenvolles Andenken können wir Dir garantieren.
Christian Kanzian
